Teil 1: Vom Anfang bis zum 2. Weltkrieg

1899

Im März finden in den Lokalen Pillen (heute Tomberg) und P.H. Kohlen (heute Haus Markett) Versammlungen statt, auf deren Tagesordnung es heißt: "Gründung einer Feuerwehrabteilung für die erste Hilfe bei den in der Sektion Hoser entstehenden Bränden". Am 14. Mai 1899 erfolgt im Lokal Kohlen in Anwesenheit des Bürgermeisters Stern und des Hauptmanns Kox die Gründung der Abteilung.
In der ersten Generalversammlung am 23. Mai 1899 erhält sie den Namen "Freiwillige Feuerwehr 3. Comp. Hoser". Erster Hauptmann wird Gottfried Sartingen, zweiter Hauptmann P.J. Adrians. Der Lehrer C. Morawetz wird Schriftführer, Martin Pesch Kassierer. Joh. Brocker bekleidet den Posten des Gerätewartes. Führer der zehnköpfigen Steigerabteilung wird Joh. Roland, die zehn Mann starke Hydrantenabteilung leitet Hein. Kohlen jun. Durch Mart. Kreuels werden die neun Mann der Ordungsabteilung geleitet.
Die Versammlung übernimmt die Statuten der ein Jahr zuvor gegründeten Rahser Wehr mit einigen kleineren Änderungen, u.a. will man außerordentliche Mitglieder "gegen Zahlung eines Jahresbeitrages von mind. 1.50 M" aufnehmen.
In weiteren Generalversammlungen wird "per Aclemation das Lokal des Herrn P.H. Kohlen" zum Vereinslokal gewählt, der Übungsabend auf Mittwoch, 21.00 Uhr festgelegt und die Anschaffung von Mützen zum Preis von 2 M beschlossen.
Außer einem blinden Alarm sind für das Gründungsjahr keine Einsätze verzeichnet.

1900
Am 10. April, nachts um 12 1/2 Uhr, wird die 3. Comp. zu ihrem ersten in der Chronik verzeichneten Einsatz gerufen. Es brennt das Hofgelände des Wirten Schlömer. Eine viertel Stunde nach Alarmierung ist die Wehr vor Ort. (Die Chronik vermerkt hier "sehr pünktlich"). Es gelingt, den Saal und die neue Scheune vor den Flammen zu retten. Um 1/2 4 Uhr rückt die Mannschaft unter Zurücklassen einer vierköpfigen Brandwache wieder ab.
Am 16. April bittet die 3. Comp. in einem längeren Schreiben die Firma Kaiser`s Kaffeegeschäft um Hilfe bei der Beschaffung eines Gerätehauses. Die Bitte wird erhört: Die Fabrikanten Joh. Peter Adrians und Josef Kaiser stiften ein Grundstück und sichern die Übernahme der Baukosten zu. Am 22. Juli wird der Grundstein an der Brasselstraße gelegt, und bereits am 3. September kann die Einweihung stattfinden. Auch der Gerätepark nimmt Formen an: von der 1. Comp. (Stadtmitte) erhält die Hoser Einheit eine Spritze und mehrere Schläuche, zusätzlich werden fünf Signalhörner, eine Trommel und eine Pfeife angeschafft.
Erstmals werden alle Hydranten im Löschbezirk von den Kameraden kontrolliert - eine Aufgabe, die die Viersener Feuerwehr bis heute erfüllt.

1901
Anfang April kommen die Kameraden in den Besitz eines neuen Hydrantenwagens nebst allem Zubehör. Die Stärke der Wehr beträgt inzwischen 40 aktive und 74 passive Mitglieder. An Ausrüstung ist vorhanden:
1 Anstelleiter
1 Hydrantenwagen nebst allem Zubehör
1 Spritze mit Zubehör
150 m Schläuche
Zwei Zimmerbrände werden von Kameraden gelöscht, ehe die Wehr alarmiert werden muß.

1902
Das Vereinslokal wird von Kohlen nach Schlömer verlegt.

1903
Der Kassenbestand beträgt 15,83 M.

1904
Die Wahl des Vereinslokals fällt für 1904 wieder auf Kohlen. Bei zwei Einsätzen kann die Wehr durch schnelles Eingreifen größeren Schaden verhindern.

1905
Die Mannschaftsstärke ist auf 41 Mann angestiegen, die Zahl der passiven Mitglieder liegt bei 140. Das Vereinslokal wird erneut gewechselt, es geht zurück zu Schlömer.
Im September werden die Kameraden bei drei Einsätzen innerhalb weniger Tage hart gefordert. Zunächst kann ein Zimmerbrand recht schnell gelöscht werden, doch sechs Tage später fordert ein Feuer auf der Brasselstraße das Leben eines kleinen Kindes. Nur fünf Tage später bricht im Maschinenraum der Dampfschreinerei Alex Pesch ein Feuer aus, das in kürzester Zeit auf das Wohnhaus übergreift. Es brennt bis auf die Außenmauern nieder, der Maschinenraum muß von der Wehr eingerissen werden. Das Mobiliar aus einem weiteren angrenzenden Wohnhaus wird vorsichtshalber ins Freie gebracht.

1906
Die Chronik berichtet erstmals darüber, daß passive Mitglieder aus den Sektionen Hoser, Bockert und Oberbeberich den Jahresbeitrag von 1,50 M entrichtet haben. Zuvor wurde stets nur Hoser als Bezirk für die Comp. genannt.
Am und im Gerätehaus an der Brasselstraße wird je eine elektrische Lampe angebracht.

1907
Der Vorstand beschließt, vier Mitglieder wegen mehrmaligen Fehlens bei den Übungen bzw. trotz wiederholter Aufforderung fortgesetzten sehr unpünktlichen Erscheinens von der Wehr auszuschließen.
Am 28. März, mittags um 1 1/2 Uhr, wird die Compagnie zum Brand einer Scheune bei L. Beyer (heute Dreherei Theveßen, Hardter Str. 204) im Bockert alarmiert. Durch Niederlegen eines alten Gebäudes können die angrenzenden Wohnhäuser vor einem Überspringen der Flammen bewahrt werden.
Im Frühjahr fährt eine Abordnung der Einheit nach Aachen, um dort eine Spritze zu besichtigen. Diese war der III. Comp. vom Brandrat (dem Feuerwehrausschuß der Stadt) schon seit mehreren Jahren zugesagt. Nach längerer Verhandlung und einigem Schriftverkehr mit der betreffenden Firma stellt sich heraus, daß die neue Spritze beinahe 2000 M. kosten würde. Da aber in Kürze das Wasserleitungsnetz auch auf Beberich ausgedehnt werden soll, sieht man von der Anschaffung der Spritze vorerst ab.

1908
Im Jahresbericht für das Jahr 1907/08 ist erstmals nicht mehr von einer Compagnie, sondern von einem Löschzug die Rede.
Im Frühjahr werden alle Hydranten im Bezirk untersucht und in Ordnung gebracht, im Sommer führt ein Ausflug die Kameraden nach Königswinter. Einsätze gibt es in diesem Jahr keine.

1909
Im Laufe des Jahres sinkt die Mitgliederzahl unter 30 Mann. Immerhin 13 Mitglieder erhalten aber eine Litze als Anerkennung für zehnjährige Mitgliedschaft - sie sind seit Gründung des Löschzuges Mitglied.

1910
Erneut werden zwei Mitglieder wegen mangelnder Dienstbeteiligung entlassen, durch vier Neuaufnahmen steigt die Manschaftsstärke aber wieder auf über 30 Mann an. Am 16. Juli stehen nach heftigen Regenfällen in der "Hoser Schweiz", dem Bereich rund um die Gaststätte Schlömer, die Keller so voll Wasser, daß man "über vier Stunden feste arbeiten" muß, um sie wieder trocken zu legen.

1911
Bei einer Alarmübung sind von 31 Mitgliedern 28 in 15 Minuten am Gerätehaus zur Stelle - eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, daß zur damaligen Zeit wohl niemand der Wehrleute über ein Auto oder ein Fahrrad verfügte und jeder zu Fuß zum Gerätehaus eilte. Durch dieses schnelle Eingreifen kann am 5. August nachmittags um 1/2 5 Uhr ein Scheunenbrand bei Pergens auf der Brasselstraße auf seinen Herd begrenzt werden, so daß die anliegenden Gebäude gerettet werden.

1912
Bei der ersten Übung des Jahres wird das alte Spritzenhaus im Bockert (heute Straßenbereich vor Schreinereien Kitschen und Danners, Hardter Str. 182) abgerissen. Der dort befindliche Hydrantenwagen wird in das neue Hydrantenhaus hinter der damaligen Bockerter Schule an der Ackerstraße gebracht, das übrige Gerät in das Gerätehaus Hoser an der Brasselstraße.
Am 14. Januar ist erstmals von einer Hauptgeneralversammlung der drei Löschzuge (also Stadtmitte, Rahser und Hoser, der damaligen Freiwilligen Feuerwehr Viersen) die Rede. Die Versammlung wählt auf Vorschlag von Bürgermeister Stern den Bauamtssekretär Hermann Mießen zum neuen Branddirektor. Dieser ruft im Viersener Süden die Bevölkerung zur Bildung eines vierten Löschzuges für den Bereich Helenabrunn auf. Der Aufruf hat Erfolg: am 13.10.1912 wird der 4. Löschzug Helenabrunn gegründet.

1913
Der stellvertretende Löschzugführer Brandmeister P.J. Adrians bittet, einen Nachfolger für ihn zu wählen. Man setzt eine Kommission ein, die einen geeigneten Kandidaten finden soll.
Drei ausgetretene Mitglieder werden polizeilich zur Rückgabe der Ausrüstungsgegenstände aufgefordert, der Aufruf hat Erfolg.
Am 7. Mai 1913 wird H. Hüskes zum neuen Schriftführer gewählt.

1914
Die Brandmeister-Suchkommission schlägt dem Vorstand des III. Löschzuges den Kameraden Jean Holtappels als neuen Brandmeister vor. Mit Einverständnis der Mannschaft und des Branddirektors Mießen wählt der Vorstand des Löschzuges ihn am 6. März zum neuen stellvertretenden Löschzugführer.
Der neue Schriftführer H. Hüskes gerät bei der Führung der Chronik ein wenig durcheinander. Zwar ist er sehr großzügig im Festhalten eines Datums, leider vergißt er dabei aber häufig die Jahreszahl. Einige Ereignisse sind deshalb heute keinem festen Jahr mehr zuzuordnen.
Gleich zu Beginn des ersten Weltkrieges werden mehrere Mitglieder zur Fahne einberufen. Bis zum Ende des Jahres ist zum Glück noch keiner von ihnen gefallen.

1915
Außer einem Brandmeister, dem Schriftführer und dem Kassierer sind nur noch fünf Mitglieder der Ordnungsabteilung nicht im Krieg. Die Geschäfte der Wehr ruhen, es gibt aber auch keine Einsätze. Die noch anwesenden Mitglieder senden von Zeit zu Zeit Pakete an die Front.

1919
Der zusammengefaßte Jahresbericht für die Kriegsjahre erwähnt erstmals eine Jugendfeuerwehr in Viersen, die im Verlauf des Krieges die wenigen noch verbliebenen Wehrleute unterstützt. Die Hilfe ist allerdings wegen der "Ungeschultheit und des Wagemuts der jungen Leute, welcher eine große Beaufsichtigung durch die Wehrleute erfordert, nicht allzuhoch anzuschlagen."
Die Chronik zählt die gefallenen Kameraden des III. Löschzuges auf: Aug. Jansen, Aloys Winz und Heinr. Theissen von der Hydrantenabteilung und Theod. Moors, der der Steigerabteilung zugeordnet war. An den Folgen einer im Felde zugezogenen Krankheit starb Joh. Permantier. Drei weitere Kameraden kehren schwer verwundet in die Heimat zurück oder gerieten in Kriegsgefangenschaft. Während des Krieges starb außerdem das Gründungsmitglied Math. Prell.
Am 8. Februar 1919 kann Brandmeister J. Holtappels, der seit etwa 1917 Löschzugführer der Einheit Hoser ist, bei der ersten Versammlung nach dem Krieg wieder 25 Mitglieder begrüßen. Es wird eine Bestandsaufnahme von Mannschaft und Gerät gefertigt.
Am 31. Mai 1919 wird der III. Löschzug gegen drei Uhr nachmittags zu einem Großbrand bei Dorsch und Engels im Bockert gerufen. Weil bei Kaiser`s kein Dampf für die zur Alarmierung verwendete Fabrikpfeife vorhanden ist, kommt die Wehr erst gegen 1/2 4 Uhr an der Einsatzstelle an. Zu allem Unglück ist auch kein Wasser vorhanden, es kommt zu einem Totalverlust.
Am 16. September 1919 kommt es zu einem Großfeuer bei Neetix in Oberbeberich. Gegen 1/4 vor 1 nachts wird der Löschzug Stadtmitte alarmiert, im Hoser bleibt ein Alarm zunächst aus. Gegen ein Uhr trifft der Hoser Löschzug an der Brandstelle ein, einige Zeit später auch der Löschzug Stadtmitte mit fünf Mann und dem Branddirektor. Das Feuer führt erneut zu einem Totalschaden, es verbrennen zwei Schweine sowie Hühner und Kaninchen. Der Chronist vermerkt in seinem Bericht zu diesem Einsatz, daß es gänzlich an Ordnung gefehlt habe und viel gestohlen wurde. Gegen sieben Uhr morgens rücken die Wehrleute unter Zurücklassen einer Brandwache ab. An den beiden folgenden Tagen müssen sie noch zweimal Brandnester ablöschen, insgesamt brennt es in den reichen Strohvorräten eine ganze Woche.

1920
Im Laufe des Jahres wächst die Manschaftsstärke wieder auf 37 Mitglieder an. Nach heftigen Aussprachen beschließt die Gesamtwehr am 20. Februar eine Vergütung von 4 bzw. 5 M. je Einsatzstunde an ihre Wehrmänner zu zahlen. Bei zwei Bränden im Dezember wird dieser Betrag erstmals von der Stadt Viersen gezahlt.
Am 30. Januar kehrt Joh. Molls als letztes Mitglied aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Der langjährige Löschzugführer und Mitbegründer Gottfried Sartingen stirbt Anfang Dezember.

1921
Der Löschzugführer Jean Holtappels legt aus beruflichen Gründen sein Amt nieder. Bei seiner Verabschiedung wird er zum Ehrenbrandmeister ernannt. Einstimmig wird Matthias Sartingen zum neuen Brandmeister gewählt, sein Stellvertreter wird Joh. Berrischen.
Der Beginn der Inflation macht sich bemerkbar. Der Beitrag zur Sterbekasse wird von 0,10 auf 1,00 M. erhöht.
Beim Kreisverbandsfest vom 17. -19. September anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der städt. Freiwilligen Feuerwehr Viersen wird auf dem Feuerwehr-Übungsplatz am Hoserkirchweg eine Ehrentafel für die gefallenen Kameraden der Wehr enthüllt. Diese Tafel steht seit 1982 auf dem Gelände der heutigen Feuerwache an der Rektoratstraße.

1922
Am 10. Juni kommt es durch Blitzschlag zu einem Kirchenbrand in St. Josef. Im Jahresbericht heißt es: "Hier bewies der 3. Löschzug wieder seinen Diensteifer und Pünktlichkeit. Am ersten und zahlreichsten war er zur Stelle. Leider konnte dieser furchtbare Brand von der städt. Wehr nicht gelöscht werden. Unsere Nachbarwehren von Gladbach und Crefeld wurden uns zur Hülfe alarmiert. Beide erschienen mit Autospritzen. Jegen Mittag waren wir des Feuers Herr, welches uns in wenigen Stunden das ganze Kirchendach zerstörte."
Der Brand zeigt, daß die Ausstattung der Wehr mit ihren Handspritzen nicht mehr zeitgemäß ist. Der Vorstand der Wehr fordert eine ganze Reihe von Verbesserungen, darunter die Anschaffung einer Motorspritze. Der Stadtrat lehnt aber mangels verfügbarer Mittel ab. Daraufhin weist der Brandrat als zuständiger Ausschuß des Rates jegliche Verantwortung für die Folgen von sich.
Wie so oft hilft auch hier die Firma Kaiser`s Kaffee. Im September 1922 schafft sie für ihre neu gegründete Fabrikfeuerwehr zwei zweirädrige Motorspritzen an. Die in der Schokoladenfabrik in der Stadt und in der Kaffeerösterei im Hoser aufgestellten Spritzen stellt sie bei Bedarf auch der städt. Feuerwehr zur Verfügung.

1923
Ende Juni macht sich die Anschaffung der Kaiser`s Motorspritzen bezahlt. Zu einem Feuer in der Schokoladenfabrik muß zwar neben der Fabrik- auch die Städt Feuerwehr und "die Gladbacher stehende Wehr" alarmiert werden, der Schaden hält sich aber in Grenzen. Erfreut sind die Wehrmänner über ein als Dank für die Hilfeleistung jedem Kameraden von Kaiser`s gespendetes Lebensmittelpaket.
Nachdem im Vorjahr die Aufwandsgelder für die Brandstunden schon auf 8 - 10 M. verdoppelt wurden, werden sie in diesem Jahr wegen der Inflation auf 150 M. erhöht.

1924
Die Kleiderkammer des 3. Löschzuges wird aufgelöst und die noch vorhandenen Ausrüstungsgegenstände dem 1. Löschzug überstellt. Der Grund hierfür ist, daß Bestand und Ausgabe sich von einer Kammer aus besser übersehen und regeln lassen.
Das 25jährige Bestehen des 3. Löschzuges wird mit viel Aufwand über drei Tage gefeiert. Am Samstagabend findet ein Festbankett mit Festreden und Ehrungen im Beisein von Vertretern aus Politik, Kirche, Wirtschaft und der Bezirkswehr statt. Nach einem Hochamt am Sonntagmorgen und einem Konzert bei Schmittges (heute Haus Markett) gibt es nachmittags einen Umzug durch die Sektionen mit anschließenden Schauübungen. Am Abend finden Tanzvergnügen bei Schlömer und Schmittges statt, der Besuch ist so gut, daß beide Säle sich schon bald als zu klein erweisen. Montagmorgen spaziert die Wehr zum Beberich, am Nachmittag findet ein Kaffee für alle Kameraden und den Festausschuß statt. Vorsitzender des Festausschusses ist der Rektor Hüskes vom Schulsystem Hoser.

1925
Der Übungsdienst der gesamten Wehr wird umgestellt. Fanden früher oftmals Übungen der Gesamtwehr statt, so werden diese nun reduziert zugunsten der Ausbildung in den einzelnen Löschzügen. Im 3. Löschzug wird alle 14 Tage ein Übungsdienst abgehalten - ein Rhythmus, der auch heute gilt.
Am 4. Januar führen starke Regenfälle und Schneeschmelze im Bockert zu so starken Überschwemmungen, daß dort Menschenleben in Gefahr sind, nachdem die Wassermassen bis in die Wohnstuben vorgedrungen sind. Gemeinsam mit der Feuerwehr der Fa. Kaiser`s ist man über 13 Stunden im Einsatz, um der Lage Herr zu werden.
Zwei Großfeuer bei Schotten im Beberich und bei der Fa. Genenger erfordern im Laufe des Jahres einen stundenlangen Einsatz der Wehr.
Bei einem Ausflug am 17. Juli haben sich die Frauen der Wehrmänner einen eigenen Bus bestellt und schließen sich dem Ausflug überraschend an. Der Bericht hierzu in unserer Chronik läßt darauf schließen, daß die Kameraden damit nicht so ganz einverstanden sind. Dennoch wird der Ausflug ein Erfolg.

1926
Mehrere Einsätze im Stadtgebiet zeigen immer deutlicher, daß die Viersener Wehr eine eigene Motorspritze benötigt.
Mit einer großen Abordnung nimmt der 3. Löschzug am Verbandstag in Giesenkirchen teil.

1927
Die Stadt Viersen erfüllt die schon lange erhobene Forderung der Feuerwehr nach einer eigenen Motorspritze. Mit ihr wird von allen Löschzügen sehr häufig geübt. Einsetzen kann der 3. Löschzug die neue Spritze aber in diesem Jahr noch nicht: es gibt kein einziges Feuer im Löschbezirk.
Am 9. April beschließt man, keine Hydranten mehr zu kontrollieren, wenn die öfters der Stadt gemeldeten Schäden an ihnen nicht beseitigt werden.
Als Vereinslokal wird zum 25. Mal seit Bestehen des Löschzuges die Gaststätte Schlömer gewählt. Der Wirt bedankt sich mit einem Freibier.

1928
Am Fastnachtssamstag veranstaltet man ein Essen mit karnevalistischer Unterhaltung. Hierbei kommt es zu einem kleinen Zwischenfall, als ein Kamerad des Löschzuges Rahser in närrischer Tracht einen Vortrag halten will. Durch "unvorsichtiges Hantieren geriet sein angeklebter Bart in Flammen. Hier sprang der Kamerad Schillings rettend ein und ein paar geschickte Handgriffe löschten das Feuer."
Am 3. August brennt es in einem Fabrikraum der Fa. Kaiser`s und am 31. August bei Wilh. Nopp auf der Landwehrstraße. In beiden Fällen muß bis zum darauffolgenden Morgen gearbeitet werden.

1929
Am 5. November brennt es erneut auf dem Gehöft Nopp an der Landwehrstraße. Zwei Wohnungen fallen den Flammen zum Opfer. Hier wie auch bei drei weiteren Bränden in der Sektion ist die städt. Motorspritze zugegen.
Anläßlich seines dreißigjährigen Bestehens richtet der 3. Löschzug am 4. August das Stiftungsfest der Gesamtwehr aus. Nach einer Exerzierübung auf dem Schulplatz und einer Löschübung bei der Brotfabrik Pesch wird das Fest mit einem Tanzabend im Stammlokal Schlömer beendet.
Der Vorstand wird beauftragt, einen Antrag zwecks Einrichtung einer praktischen Alarmanlage zu stellen, damit im Falle der Gefahr alle Kameraden schnell für den Dienst zur Stelle sein können.

1930
Ein brennender Strohschober ist das einzige Feuer, zu dem der 3. Löschzug in diesem Jahr ausrücken muß. Das gesellschaftliche Leben im Löschzug ist dafür aber um so ausgeprägter. Man nimmt an zahlreichen Jubiläen und Veranstaltungen anderer Vereine teil, so am 6. August am 60. Stiftungsfest des Sängerbundes Viersen-Hoser. Auch kann nach langen Jahren wieder ein größerer Ausflug unternommen werden. Am 1. Juni geht es auf eine Rheintour von Neuss nach Linz, wo man von den dortigen Kameraden empfangen und geführt wird.

1931
Trotz der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage unterstützen zahlreiche passive Mitglieder den Löschzug und sorgen so für einen zufriedenstellenden Kassenbestand.
Am 26. Juli unternimmt man einen auch heute noch bemerkenswerten Ausflug. Gegen 4 (!) Uhr morgens startet der Löschzug mit dem Omnibus nach Köln, wo gegen 6 Uhr an der Frühmesse im Dom teilgenommen wird. Um 8 Uhr nehmen die Kameraden in Wesseling das Frühstück ein, ehe sie anschließend über Meckenheim nach Altenahr weiterfahren. Hier besichtigt man allerlei Sehenswürdigkeiten. In Walpersheim beim lustigen Sänger kehren die Männer ein und essen gegen 2 Uhr in Neuenahr zu Mittag. Dann geht es zurück zum Rhein, wo man nach der Überfahrt nach Linz das Winzerhaus besucht. Nach einem Abstecher zum Drachenfels reist die Gruppe über Köln und Neuss wieder in die Heimat. Gegen 12 Uhr nachts trifft man im Vereinslokal ein.

1932
Außer zwei kleineren Waldbränden in den Bockerter Peschen, die durch das beherzte Eingreifen der Wehrleute keine größere Ausdehnung annehmen, bleibt der 3. Löschzug auch in diesem Jahr von Brandeinsätzen verschont.
Oberbrandmeister Richard Kox vom 1. Löschzug stirbt. Er hatte nach der Gründung des Hoser Löschzuges die Ausbildung der ersten Bewerber durchgeführt.

1933
Die Machtergreifung durch das Hitlerregime am 30. Januar geht auch an den Feuerwehren nicht spurlos vorüber. Bereits im Sommer verfügt das Innenministerium ihre Gleichschaltung. Auch im 3. Löschzug gab es Mitglieder oder zumindest Sympathisanten der Nationalsozialisten. Am 28. November wird im Stammlokal Schlömer ein Bild von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler aufgehängt. In seiner Rede beklagt der Löschzugführer die Folgen des Weltkrieges wie Ruhrbesetzung, den Verlust der Kolonien und die Besetzung des Rheinlandes und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, daß die neue Regierung das Staatsschiff wieder vorwärts bringe.
Am 11. August schlägt gegen Abend der Blitz in die mit Getreide gefüllte Scheune des Bauernhofs Gorihsen am Ende der Hardter Straße ein. Auch die Viersener Motorspritze kommt hier zum Einsatz, die Ausdehnung des Feuers auf das Wohnhaus kann verhindert werden.
Beim Landwirten Mertens in Oberbeberich brennt am 24. September ein Strohschober.
Bei einer Volksabstimmung am 12. November stimmen 33 Bockerter Bürger gegen den "Führer". Daraufhin wird über die Hardter Straße in Höhe der Zweitorstraße ein Spruchband gespannt: "Achtung! Umgehungsstraße. Hier wohnen 33 Volksverräter."

1934
Am 1. Januar tritt das neue Feuerlöschgesetz in Kraft. Die Feuerwehren verlieren ihren Vereinsstatus und werden Einrichtungen der Gemeinden.
Zum dritten Mal brennt es bei Nopp auf der Landwehrstraße und am 13. September kommt es zu einem kleineren Waldbrand in Oberbeberich.
Bei einer Gesamtübung und Versammlung am 22. August wird der Löschzugführer Matth. Sartingen zum Oberbrandmeister befördert.
Anläßlich der Feuerschutzwoche vom 16. - 23. September finden mehrere Propagandamärsche durch die Stadt und ihre Sektionen statt.
Ein neuerlicher großer Ausflug beginnt bereits gegen 2 Uhr nachts und führt bis nach Koblenz und nach Bad Ems.
Im Laufe des Jahres wird die seit 1929 geforderte Verbesserung der Alarmierung Wirklichkeit. Im Rahmen der Luftschutzmaßnahmen wird auf das Dach des etwa 1974 abgerissenen Verwaltungsgebäudes von Kaiser`s Kaffe Geschäft am Lichtenberg eine Sirene montiert. Diese kann von der Feuermeldestelle Spelters, Hardter Straße 78 und von der Stadtverwaltung über eine Postleitung ausgelöst werden. Bis um das Jahr 1954 wird diese Sirene bei jedem Einsatz des 3. Löschzuges sowie Samstags um 12:00 Uhr zur Überprüfung von Frau Anna Spelters ausgelöst, was ihr den Spitznamen Tut-Anna einbringt.

1935
Einziger Einsatz des Jahres ist ein Großfeuer beim Kameraden Heinr. Schaath im Beberich.
Die Gesamtwehr nimmt 45 neue Kameraden auf, sie müssen ein Treue- und Pflichtgelöbnis gegenüber Führer und Kameraden ablegen.

1936
Eine Revision der gesamten Viersener Feuerlöscheinrichtungen durch den Beauftragten des Regierungspräsidenten verläuft zufriedenstellend.

1937
Die Jahresberichte in der Chronik werden immer ausführlicher, die Berichte über Versammlungen, Ausflüge und Propagandamärsche nehmen den größten Teil ein. Über Einsätze des 3. Löschzuges wird nur noch am Rande berichtet. So wird ein Brand an den Noverhöfen am 8. September nur mit drei Zeilen erwähnt. Der Bericht in der Vereinigten Dreistädte Zeitung zeigt die ganze Tragweite dieses Einsatzes auf: Drei der vier Höfe werden vollständig zerstört, in den Flammen verbrennen zwei Kühe, fünf Schweine, eine Sau mit Jungtieren und andere Haustiere. Die Noverhöfe sind -bis heute- nicht an die öffentliche Löschwasserversorgung angeschlossen. Man verlegt querfeldein eine Schlauchleitung von Hand bis in die Sitzstadt, benutzt Wasser aus Hofbrunnen und Jauche aus den vorhandenen Gruben zum Löschen. Immerhin gelingt es Feuerwehr und Anwohnern, zahlreiches Mobiliar aus den brennenden Gebäuden zu bergen, es wird in einem von Kaiser`s Kaffee zur Verfügung gestellten geschlossenen Lastwagen untergestellt.

1938
Anfang Juni unternehmen die Kameraden einen zweitägigen Ausflug an die Mosel. Außer einem Waldbrand in der Bockerter Heide sind für den 3. Löschzug keine Einsätze verzeichnet.

1939
Mit Beginn des Krieges werden die Jahresberichte wieder deutlich kürzer. Im vierzigsten Jahr seines Bestehens richtet der 3. Löschzug bei Schlömer einen Kameradschaftsabend für die Gesamtwehr aus.

1940
Bis zum Ende des Jahres werden sieben Kameraden zum Heeresdienst einberufen, am 14. Juni fällt Albert Pflippen als erstes Mitglied.
In der Nacht von Pfingstsamstag auf Pfingstsonntag fallen in Viersen die ersten Bomben. Betroffen ist das Anwesen Breuer im Ompert.

1941
Neuaufnahmen sind nicht mehr zu verzeichnen, vier Kameraden verliert der Löschzug durch den Tod.
An den Noverhöfen am Ende der Bebericher Straße wird zur Verbesserung wie an vielen anderen Stellen der Stadt ein Löschwasserteich angelegt. Er faßt etwa 90 cbm Wasser.

1942
Die Übungen sind inzwischen auf den 1. und 3. Sonntag jedes Monats gelegt worden, 24 Dienste werden abgehalten. Jakob Kohnen fällt am 12. April.
Der Mitgliedsbestand der Gesamtwehr ist von 166 auf 80 zurückgegangen. Neben 10 Mitgliedern der Altersabteilung werden 25 Mitglieder der Hitlerjugend zum Dienst in der Feuerwehr eingesetzt, sie sind hierzu durch einen Erlaß des Regierungspräsidenten verpflichtet. Im Falle der Nichterfüllung der damit verbundenen Dienstobliegenheit wird ihnen ein Zwangsgeld von 5,- RM oder ein Tag Haft angedroht.
In der Nacht vom 10. auf den 11. September fallen bei einem Bombenangriff zahlreiche Phosphor- und Brandbomben auf Hoser, Bockert und Oberbeberich, dabei geraten sechs Bauernhöfe in Brand. Zur Brandbekämpfung rückt auch ein Feuerlöschregiment aus Krefeld zur nachbarlichen Löschhilfe an. Der Einsatzbericht des Leutnant Brand hierzu befindet sich im Archiv der Einheit Hoser. Mit diesem Luftangriff beginnt der eigentliche Bombenkrieg in unserer Gegend.

1943
Durch die Kriegseinwirkungen wird bis 1947 kein ordentlicher Jahresbericht mehr ausgeführt.
Die Viersener Wehr, die außer der ersten Motorspritze von 1927 seit 1941 über ein LF 8 verfügt, erhält 1943 ein weiteres LF 8 und ein LF 15. Das LF 8 wird dem Löschzug Rahser zugeteilt. Dieses Fahrzeug ist auch heute noch im Besitz der Wehr.
Am 22. Juni leistet die Viersener Feuerwehr nachbarschaftliche Hilfe im bombardierten Krefeld, ebenso am 31. August in Mönchengladbach.
Zur Sicherstellung des Brandschutzes liegt Nacht für Nacht eine starke Gruppe der Feuerwehr mit zwei Angehörigen des technischen Dienstes von 20 Uhr abends bis 8 Uhr morgens in der Polizeiwache am Rathaus, anschließend müssen sie zur Arbeit in die Betriebe gehen.

1944
Mit der Verschärfung des Luftkrieges werden drei, zuletzt zwei Wachtlokale der Feuerwehr eingerichtet. Sie befinden sich in der Lederfabrik Biertz im Rahser, bei Quack und Fischer am Seilerwall und in der Brotfabrik Pesch im Hoser. Die beiden letztgenannten werden zusammengelegt, als sich die Luftangriffe auf den Stadtkern konzentrieren. Der Bereitschaftsdienst dauert 24 Stunden, die Wehrmänner bringen Ihre Lebensmittel von zu Hause mit. Bei Alarm müssen die am Stadtrand wohnenden Feuerwehrleute im Sommer und Winter, bei Wind und Wetter mit dem Rad zu den Feuerwachen eilen.
Nachdem der erste Löschzug ein neues LF 15 erhalten hat, wird die erste Motorspritze von 1927 dem Löschzug Hoser zugeteilt und in der Brotfabrik Pesch untergebracht.
Am 21. September wird Hermann Hülser Nachfolger des Kreisfeuerwehrführers Hermann Mießen, den er bereits seit Ende 1942 krankheitsbedingt vertreten hatte.

1945
In den letzten Kriegsmonaten im Frühjahr gibt es fast rund um die Uhr Fliegeralarm. Am 9. und 24. Februar erlebt Viersen die schwersten Luftangriffe des Krieges. Als am 24. Februar in fünf Wellen Stabbrand-, Phosphor- und Explosivbomben auf das Viersener Zentrum im Raum Heierstraße, Große Bruchstraße und Freiheitsstraße abgeworfen werden, verdunkelt ein Rauchvorhang stundenlang den Himmel. Der Stadtkern von Viersen ist bei Kriegsende zu 40 % zerstört.
Nach dem letzten Bombenangriff am 24. Februar wird die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr und der Polizei auf den Preyerhof an der Krefelder Straße verlegt. Am 28. Februar müssen die fünf Viersener Feuerwehrfahrzeuge wegen der anrückenden Amerikaner nach Krefeld abgeliefert werden. Ein Fahrzeug wird unterwegs von einem Panzer gerammt und fällt aus. Am Ziel, der Polizeihauptwache in Krefeld, stehen bereits 136 Feuerwehrfahrzeuge der Umgebung. Als die Viersener Wehrmänner das Durcheinander in Krefeld sehen, besteigen sie gegen Abend ein Fahrzeug, das noch über genügend Kraftstoff verfügt und fahren zurück nach Viersen - entgegen den sich zurückziehenden deutschen Truppen.
In Bockert und Hoser fordern die letzten Tage des Krieges in der Heimat noch einmal mehrere Menschenleben und richten schweren Sachschaden an. Am 28. Februar fordert ein Jagdbomberangriff auf Bockert sechs Tote. Am Gehöft der Geschwister Gorissen (heute Franz-Heinrich Winkels) am Ortsausgang Hardter Straße geht eine Scheune in Flammen auf. In ihr lagern 800 Schuß 8,8cm Flakmunition für das nahegelegene Geschütz, die Kiste für Kiste explodieren.
Am Morgen des 1. März rücken amerikanische Truppen nach Viersen ein. Zwar gibt es im Bockert kurzen, aber heftigen Widerstand deutscher Fallschirmjäger, gegen 17.00 Uhr an diesem Tag melden die amerikanischen Truppen aber die Einnahme der Stadt. Der Krieg in Viersen ist zu Ende.
Im zweiten Weltkrieg sind 17 Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Viersen gefallen. Zwei sterben durch Kriegseinwirkung, zwei weitere in russischer Kriegsgefangenschaft. Vier Feuerwehrmänner gelten als vermißt.
Am 13. März wird Hermann Hülser von der alliierten Militärregierung zum Polizeichef von Viersen ernannt und als Leiter der Feuerwehr bestätigt. Damit beginnt der Wiederaufbau der Feuerwehr auch im Bezirk des 3. Löschzuges.